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Continental Sheepdog Championships Haselhof/Bern

Oder kurzum Europameisterschaft der Herdengebrauchshunde. Vom 24. bis 27. September 2009 wurde die diesjährige Europameisterschaft auf dem Haselhof bei Kerzers/Bern ausgetragen.
Urs und ich entschieden uns am Sonntag nach Kerzers zu fahren, weil wir wahrscheinlich in der Schweiz nicht so schnell wieder ein Anlass in dieser Grösse finden werden. Da wir selber Border Collies besitzen und diese einer der bekanntesten Herdengebrauchshunde sind, wollten wir doch einmal sehen wie diese Rasse ihre Hauptaufgabe meistert und besuchten den Finaltag.
Es war, ein richtig warmer Spätsommertag und wir genossen die festliche Stimmung und natürlich die Unmengen von verschiedensten Border Collies, welche sich an diesem Anlass befanden. Jegliche Fellfarben, vom Welpen bis zum alten Hund waren vertreten. Aus dem Mikrofon kommentierte eine Stimme den Ablauf der Prüfung. Das Trailfeld war gigantisch. Der Hirt musste seinen Hund gute 800 Meter schicken können, bis dieser die Schafe mit seinem Auge erfassen und somit einholen konnte. Jetzt begann die Arbeit des Hundes und damit die faszinierende Präzision. Der Border brachte, dem Hirt jetzt auf möglichst gerader Linie die Schafe entgegen. Noch schien die Herde am Horizont klein. Der Hütehund machte jeweils mehr oder weniger Druck um die Herde vorwärts zu bewegen. Die Bewegungen und Aufgabe des Hundes wurden durch verschiedene Pfeiftöne des Hirten geleitet. Jeder Pfiff, sei er noch so kurz gab dem Hund sofort an welche Seite er einnehmen musste, ob er liegen oder sich von den Schafen entfernen muss um den Druck auf die Herde zu vermindern.
Der Hund näherte sich nun mit den 10 Schafen, welche er durch ein Tor auf Sichtdistanz des Hirten bringen musste. War dieses Tor passiert, so wurde der Hund durch weitere Pfiffsignale sofort aufgefordert sich aus der Sicht des Hirten am rechten Feldrand entlang wieder wegzubewegen, wo er dann in gut 500 Meter Entfernung in einer Senkung, die für ihn Anfangs nicht ersichtlich, weiteren 10 Schafe holen musste. Hatte er dann auch diese ins Auge gefasst, so begann das Treiben auf ein Neues und er, wurde wieder durch die Kommandos seines Hirten aufgefordert die Schafe zielsicher durch das Tor zu bewegen. Hatte er dann alle 20 Schafe beieinander, so war er gefordert sie möglichst eng um seinen Führer zu bewegen und anschliessend wieder zu entfernen und durch 2 Tore zu bewegen. Dabei achteten sich die Richter speziell auf die Linien, auf welchen der Hund die Schafe trieb. Am Schluss wurden die Schafe durch den Hütehund in einen gegebenen Kreis geführt. Dort musste nun der Hirt mit Hilfe seines vierbeinigen Kollegen 5, mit einem Halsband markierten, Schafe aus der Herde trennen und schlussendlich in einsperren. Das Aussortieren der 5 Schafe zeigte sich als knifflige Aufgabe, weil natürlich alle Schafe bei ihrer Herde bleiben wollen. Die Hirten und ihre Herdengebrauchshunde zeigten sich von der besten Seite und bewältigten die Abtrennung der 5 Schafe, bis auf wenige, mit Bravur.
Die Schafe durften vom Hirten nicht berührt werden.
Für diese ganze Aufgabe mit dem Holen der Herden bis zum Einpferchen hatten Hirt und Hund nur 30 Minuten Zeit. Die Schafe mussten also auch Hundeerprobt sein, damit sie nicht in Panik gerieten. Man kann also nicht beliebig Schafe wählen. Es müssen Schafe sein, welche auch Hunde gewohnt sind.
So ist es uns auf einer Bergwanderung tatsächlich schon einmal passiert, dass Schafe unsere Hunde sahen und sich automatisch sammelten und auf der Anhöhe knapp vor uns herspazierten. Unsere Hunde spazierten zwar bei uns aber die Schafe liessen sich automatisch durch sie sanft vorweg treiben, bis wir die Richtung änderten.
Die EM-Teilnehmerinnen wurden also durch die Richter aus Schottland, County Kilkenny - Irland und Peninsula – Süd Wales kritisch begutachtet. Es wurde das Einholen, die Übernahme, das Bringen, das Treiben, das Abtrennen, Einpferchen und die Führungslinien, etc. bewertet. Auf diese Distanzen für die Richter nicht immer einfach.
Für die Schweiz starteten Ruedi von Niederhäusern, Andreas Schiess, Johann Beeli, Patrick Cornut, Heinz Stucki, Beatrice Brändli, Hans Portmann und Jürg Schumacher (Schumi). Leider reichte es ihnen nicht in den Final. Es braucht oft auch noch ein wenig Glück zum Erfolg. Um den Europameister kämpften am Sonntag noch Deutschland, Frankreich, Finnland, Norwegen, Niederlande und Schweden. Holland verabschiedete sich schlussendlich als Europameister vom Haselhof.
Nach all diesen spannenden Leistungen wurde uns einmal mehr bewusst, warum der Border Collie gerne auf Distanz arbeitet. Auch unsere Hunde zeigen immer wieder, dass sie sehr selbständig arbeiten können und rasch begreifen was wir von ihnen wollen. Beide Hunde sind weniger vom Fuss laufen begeistert. Auch suchen sie die Nähe nur gerade im Haus selber, wo sie doch gerne mal freiwillig ihre „Knudelminuten“ fordern. Geht es jedoch um die Arbeit, so muss etwas laufen. An dieser EM war sehr schön ersichtlich, was ein Herdengebrauchshund überhaupt bedeutet. Unsere Hunde sind unermüdlich und voller Tatendrang und genau dies schätzen wir an unseren Herdengebrauchshunden, auch wenn wir sie eben nicht an Herden gebrauchen.
Wir können jedem empfehlen sich einmal die Arbeit eines Hirten mit Gebrauchshund anzusehen. Es ist Faszination pur, wenn es auf Anhieb vielleicht auch nicht so spektakulär scheint.
Fotos findet Ihr unter www.ebnepower.ch – Gallery – Diverse und weitere Fotos und Infos unter www.continental2009.ch.

 

Bericht: Nadia Räz

 

 

 
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